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Notsender

Notsender, gut das es sie gibt (!), aber...

Jedem "Insider" ist bekannt, dass Luftfahrzeuge mit Notsendern ausgerüstet sind. Sei es im zivilen Bereich (121,5 MHz) oder im militärischen Bereich (243,0 MHz).

Sowohl im zivilen Bereich als auch bei der Bundeswehr (seit 2001, MR 509) wurde und wird eine neue Notsenderfrequenz eingeführt, die 406,025 MHz. Der Vorteil der neuen Frequenz liegt in der erheblich höheren Genauigkeit. Waren bei den erstgenannten Frequenzen Ablagen >10NM durchaus normal, liegt die Genauigkeit der "406er" bei <2NM. Weltweit gibt es derzeit 600.000 Notsender mit 121,5 MHz und erst 250.000 Notsender "406er". Um diese Notsender-/ Bakensignale lokalisieren zu können und schnelle Hilfeleistung zu gewährleisten, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die hier ansatzweise aufgezeigt werden sollen.

  1. Die Frequenzen 121,5 und 243,0 werden automatisch durch die FS-Kontrollstellen überwacht.
  2. Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahn(BNA) betreibt, durch die Kontrollstelle in Krefeld gesteuert, ein Netz von 75 ortsfesten Peileinrichtungen. Daneben verfügt die BNA über mobile Einrichtungen, sogenannte Peilwagen, die zur Verifizierung eingesetzt werden.
  3. Über allem laufen bzw. stehen - im wahrsten Sinne des Wortes - die Satelliten der COSPAS / SARSAT - Organisation. Diese Organisation hat 31 Mitgliedsstaaten und betreibt neun Satelliten zur Aufnahme von Notsignalen. Sechs davon laufen in einer polaren, räumlich versetzten Umlaufbahn in ca. 1000 km Höhe, drei Satelliten sind geostationär positioniert, d.h. haben ein festes Aufnahmefenster über einem bestimmten Teil der Erde. Die Abdeckung der Erdoberfläche durch die polaren Umläufer ist jedoch unbefriedigend, da es 70 bis 90 Minuten dauern kann, bis ein anderer / der nächste Satellit in eine vergleichbare Aufnahmeposition kommt. Zusätzlich muß hier angemerkt werden, dass die Signale der alten Frequenzen nur gespiegelt werden konnten, d.h. der Satellit mußte in Sichtverbindung zum Notfallort und zur Bodenstation stehen, um eine Meldung absetzen zu können. Das Signal des 406er dagegen wird aufgenommen, gespeichert und bei nächster Gelegenheit an eine Bodenstation gesendet (zeitlicher Vorteil).
  4. Die Satellitensignalaufnahme wird durch 40 Bodenstationen gewährleistet, die diese Daten an 25 Mission Control Center (MCC) weitergeben. Für Deutschland ist Toulouse zuständig, alternativ Kinloss (Schottland).


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Positionsfeststellung / Bahnverfolgung der Polarläufer

Für die Positionsfeststellung / Bahnverfolgung der Polarläufer betreibt die BNA einen eigenen Arbeitsplatz.

Die 406er Notsender (MR 509) sind, im Gegensatz zu den Vorgängern (MR 506), programmierbar. Dies geschieht mit einem Hexadezimalkode, dessen Daten in einer Datenbank bei der SAR-Leitstelle der Luftwaffe in Münster (Lufttransportkommando) gespeichert sind und ausgelesen werden können. Die Nutzerstaaten haben sich verpflichtet, eine Datenbank zu pflegen, die wiederum seitens der SAR-Leitstelle regelmäßig mit dem Luftfahrtbundesamt abgeglichen wird. In dieser Datenbank sind Anschriften und Erreichbarkeiten der Nutzer dem jeweiligen Hexadezimalkode zugeordnet. Die Regelung ist in der Besonderen Anweisung SAR 400/5002 festgelegt.

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Die Programmierung:

  • Im ersten Teil wird eine Länderkennung programmiert (211 für maritime, 218 für aeronautische Notsender).
  • In weiteren Programmierfeldern werden verschlüsselte Daten der Teilstreitkraft, des Verbandes, und des Lfz-Musters eingegeben.
  • Eine Gesamtanzahl von Notsendernummern (von 001 bis 200) wird jedem Verband / jeder Einheit von Haus aus zugeteilt.
    Durch die Programmierung des Gerätes im Verband mit den vorgenannten Daten, ist bei einem Notfall sofort die Verbandszugehörigkeit und das Lfz-Muster ersichtlich. (Aufgrund dieser Informationen wird bei einem Notfall der Flugauftrag des Lfz im Gefechtsstand des Verbandes erfragt.)
    Bei notwendigen Wartungsintervallen kann durch eine Löschung der Programmierung (Nullkodierung) vor Verlassen des Verbandes sichergestellt werden, dass eine unbeabsichtigte Auslösung zwar zu einer Alarmierung führt (Bakenfrequenz und damit Satellitenaufnahme), die Nullkodierung aber den Hinweis gibt, dass sich das Gerät nicht im Einsatzbetrieb befindet.

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Die tägliche Praxis

In der SAR-Leitstelle der Luftwaffe werden pro Jahr etwa 850 bis 900 Notsignale - aller Arten von Notsendern - gemeldet und bearbeitet. Glücklicherweise sind nur ca. 3% "echte Notfälle". Daran läßt sich jedoch ermessen wie hoch der Aufwand ist. Jedes Signal wird selbstverständlich wie ein echter Notfall behandelt, d.h.

  • Aufnahme COSPAS / SARSAT
  • Weitergabe der Daten an und Bestätigung durch die SAR-Leitstelle
  • Abfrage örtlicher FS-Kontrollstellen bezüglich des Signals zur Kreuzpeilung,
  • Parallel dazu Abfrage BNA, ebenfalls um eine Kreuzpeilung zu erhalten und Schaltung der Funkanlage der nächstgelegenen Empfangsstationen zur Verifizierung des Signals.
  • Nach 70 bis 90 Minuten ist ein erneuter Eingang möglich und das Ganze beginnt von Neuem ...open end...

... bis das Gerät abgeschaltet wird.

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.... it works

Am 08.11.2001 wurde die SAR-Leitstelle um 08.06z vom Main Control Centre Toulouse über AFTN (Aeronautical Fixed Telecommunication Network) informiert, dass ein, in der Bundesrepublik Deutschland registrierter aeronautischer Notsender (406er) vom Satellitensystem aufgenommen wurde. Beim ersten Empfang konnte keine Position ermittelt werden, lediglich aufgrund des Hexadezimalcodes die Länderkennung und damit der Halterstaat. Der nächste Empfang ergab folgenden Hexadezimalcode: Marine, Marine-Flieger-Geschwader 2, PA200 (Tornado).
Die Nachforschung im Verband ergab, dass der Flugauftrag einen Waffeneinsatz auf Vlieland Range beinhaltete. Die niederländischen Rettungskräfte wurden daraufhin alarmiert und mit entsprechenden Informationen versorgt. Die Daten ergaben folgenden Ablauf / folgendes Bild:

Bird strike...

08.05z Ausschuss Waffensystemoffizier, zeitlich versetzt Ausschuß Pilot, dabei jeweils automatische Auslösung der Notsender; Auffassung durch Satelliten;
08.06z Durchgabe des ersten Signals (nur Länderkennung) per Satellit an Toulouse;
08.11z Durchgabe der Daten durch Toulouse an SAR-Leitstelle;
08.23z Aufnahme erste Notfallposition durch nächsten SARSAT (17 Min. später !); Info an SAR-Leitstelle; Info an niederländische Rettungskräfte;
08.39z Manuelle Abschaltung der Notsender nach Bergung der Besatzung durch niederländische Rettungskräfte.

Bei der Nachbereitung dieses Falles trat folgende Frage auf:

Warum wurde beim ersten Empfang nur der Ländercode des Notsenders vom Waffensystemoffizier aufgefasst?

Antwort:
Wie vorher erwähnt, stehen die Satelliten nicht kontinuierlich in der richtigen Position / laufen in dem Moment über den richtigen Bereich um das Signal aufnehmen und speichern zu können. In diesem Fall war der Satellit noch ungefähr eine Sekunde in der Lage einen Teil des Signals aufzunehmen, ganz zu schweigen vom zweiten Notsender. Der zweite Satellit folgte – glücklicherweise – in geringem Zeitabstand.
Hier ist der Fall eingetreten, bei dem Statistiker eine verschwindend kleine Wahrscheinlichkeit errechnen würden.

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Stand vom: 25.11.13 | Autor: SF Wallendorf


http://www.rcc-muenster.aero/portal/poc/rcc?uri=ci%3Abw.lw_rcc.aktu.topt.nots